Neues Beobachtungssystem für den Südlichen Ozean
03.08.2026
EU fördert SYNCHRONY: 27 internationale Partner koordinieren Beobachtungen und harmonisieren Daten, um Klima- und Ökosystemveränderungen besser zu verstehen.
03.08.2026
EU fördert SYNCHRONY: 27 internationale Partner koordinieren Beobachtungen und harmonisieren Daten, um Klima- und Ökosystemveränderungen besser zu verstehen.
Am 1. August 2026 startete das EU-Projekt SYNCHRONY. Es soll dazu beitragen, im Südlichen Ozean und rund um die antarktischen Schelfe die raschen Veränderungen im komplexen System aus Ozean, Eis und Atmosphäre sowie deren Auswirkungen auf das globale Klima und die Biodiversität besser zu verstehen. Unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts werden Forschende aus insgesamt 27 weltweiten Partnerinstitutionen in interdisziplinären Arbeitspaketen das bestehende Beobachtungssytem optimieren und ausbauen, Datenströme vereinheitlichen, und neue Datenprodukte erstellen, die den Zustand des Klimasystems und der Biodiversität dokumentieren. Das Projekt liefert damit auch eine wichtige Grundlage zur internationalen UN-Ozeandekadeninitiative Antarctica InSync und baut auf bestehenden Forschungsverbünden auf. Die EU wird SYNCHRONY in den kommenden vier Jahren mit etwa 8,5 Millionen Euro fördern.
Der Südliche Ozean und die antarktischen Schelfmeere erfahren seit einigen Jahren massive Veränderungen. Die Meereisbedeckung beispielsweise geht dramatisch zurück, große Teile des westantarktischen Eisschildes gehen verloren und die Tiefenwasserbildung scheint sich zu verringern. „Die vollständigen Auswirkungen dieser abrupten Veränderungen auf das lokale und globale Klima sowie auf die Ökosysteme sind nach wie vor unklar, und wir sind derzeit nicht in der Lage diese Veränderungen vorherzusagen“, erläutert SYNCHRONY-Leiter Prof. Dr. Alexander Haumann, der die AWI-LMU Brückengruppe für Südozean-Klima Interaktionen (SO-KLIM) am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) leitet und eine Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) innehat. Der Ozeanograph ergänzt: „Diese Wissenslücke ist größtenteils auf unzureichende Beobachtungsdaten und eine fehlerhafte oder fehlende Abbildung von Prozessen in Erdsystemmodellen zurückzuführen. Daher sind dringende Maßnahmen und eine verstärkte internationale Zusammenarbeit erforderlich, um die komplexen Veränderungen des gekoppelten Ozean-Eis-Atmosphäre-Biosphäre-Systems besser zu beobachten und zu verstehen, aber auch um Grundlagen für politische Entscheidungen zu liefern, welche diese Region langfristig schützen.“
Gemeinsame plattformübergreifende Missionen und zirkumpolare, multidisziplinäre Messnetze sind in dieser riesigen und schwer zugänglichen Region dafür unabdingbar—jedoch nach wie vor nicht in einem ausreichenden Maß vorhanden. Wichtige Bausteine zum Schließen dieser Beobachtungslücke werden in den kommenden Jahren große internationale Initiativen sein: Antarctica InSync (2027 bis 2030), das 5. Internationale Polarjahr 2032/2033 oder die Umsetzung des Europäischen Ozeanpakts. Sie bauen auf den bestehenden Bemühungen von Netzwerken wie SCAR (Scientific Committee on Antarctic Research) und SOOS (Southern Ocean Observing System) auf.
SYNCHRONY wird nun ein weiterer entscheidender Baustein sein. Das Projekt zielt unter anderem darauf ab, ein international koordiniertes und synchronisiertes Beobachtungssystem im Südlichen Ozean und in den Küstenregionen der Antarktis zu etablieren. Es koordiniert disziplinenübergreifend Aktivitäten, die speziell zu Antarctica InSync beitragen.
Die Initiative Antarctica InSync wurde von mehreren Mitgliedern des Antarktis-Vertragssystems ins Leben gerufen. Sie ist Teil der UN-Ozean-Dekade und unterstützt die UN-Agenda 2030, insbesondere die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) 13 und 14, die auf Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen sowie die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen abzielen. Im Zeitraum von 2027 bis 2029 wird im Rahmen von Antarctica InSync eines der bislang größte Beobachtungsnetzwerk in polaren Umgebungen eingerichtet, um den Zustand dieser sich rasch verändernden Umwelt zu bewerten und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.
„SYNCHRONY wird das antarktische Beobachtungsnetz ausbauen und verbessern, bestehende Datensätze zusammenführen, neue erheben und diese der internationalen Forschungsgemeinschaft besser zugänglich machen. Es wird ein Meilenstein hin zu einem umfassenden polaren Beobachtungssystem. Das daraus entstehende Wissen wird helfen die rapiden Veränderungen in der Region besser zu verstehen und vorhersagbarer zu machen“, sagt Prof. Dr. Stefanie Arndt, Leiterin der AWI-Universität Hamburg Brückengruppe zur Schneeforschung auf antarktischem Meereis (SNOWflAke) und mitverantwortlich für das Projekt. „Dieses handlungsrelevante Wissen wird auch eine wichtige Basis für politische Entscheidungen zum Schutz von Klima und Biodiversität im Südlichen Ozean und wird internationale Regierungsgremien, den Europäischen Grünen Deal und den Europäischen Ozeanpakt unterstützen.“
Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) koordiniert das internationale Forschungsprojekt SYNCHRONY. Mit fünf geplanten Polarstern-Fahrtabschnitten während der Haupt-Beobachtungsperiode von Antarctica InSync (Südsommer 2027/28 bis Südsommer 2028/29), autonome Messinstrumenten und dem multidisziplinären HAFOS-Observatorium im Weddellmeer bringt das AWI zentrale Forschungsinfrastrukturen ein. Darüber hinaus übernimmt es führende Aufgaben beim Aufbau eines entsprechenden Beobachtungsnetzwerkes für Meereis-, Atmosphären-, Ökosystem- und Ozeanforschung, der Harmonisierung polarer Forschungsdaten sowie in der internationalen Koordination und Wissenschaftskommunikation.
Webseite: SYNCHRONY
Quelle: AWI