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Neue Veröffentlichung von Uta Schirpke et al. in Nature-Based Solutions

18.03.2026

So sollten städtische Grünflächen gestaltet werden, um effektiv gegen Hitze zu schützen.

Unsere Städte werden zu heiß. Häufigere Hitzewellen und zunehmende Flächenversiegelung machen die Sommermonate zunehmend gefährlich – insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen. Urbane Grünflächen (UGS) wirken dabei wie kühlende Oasen in einer aufgeheizten Betonlandschaft: Im Durchschnitt können sie die Lufttemperatur um etwa 1,1 °C senken.

Dass mehr Grün in der Stadt meist eine gute Idee ist, steht außer Frage – doch Uta Schirpke, Alberto González-García, Sandra Rome und Ignacio Palomo gehen in ihrer neuen Studie noch einen Schritt weiter. In ihrer Veröffentlichung in Nature-Based Solutions untersuchen sie die Wirksamkeit urbaner Grünflächen in einer virtuellen Stadt – und zeigen, wie sich deren Kühlungspotenzial maximieren lässt.

Wie effektiv urbane Grünflächen Städte kühlen, hängt von mehreren Faktoren ab: Wie groß ist ihr Anteil im Vergleich zu versiegelten Flächen? Wie viel Schatten spenden sie? Wie groß sind die einzelnen Grünflächen? Und wie sind sie innerhalb der Stadt verteilt, sodass möglichst viele Menschen profitieren?

Bewertung der Wirksamkeit urbaner Grünflächen

Auf Grundlage der Eigenschaften von 737 urbanen Räumen in Europa haben die Forschenden:

  • den Einfluss urbaner Grünflächen auf die Minderung städtischer Hitze in einer virtuellen Stadt unter 27 Szenarien und in vier biogeografischen Regionen (mediterran, kontinental, atlantisch, boreal) simuliert,
  • das Potenzial zur Verbesserung ihrer Wirksamkeit bewertet – angepasst an diese Regionen sowie an europäische Städte mit ähnlichen Eigenschaften urbaner Grünflächen.

Warum eine virtuelle Stadt?

Die Nutzung einer virtuellen statt einer realen Stadt schafft kontrollierte, quasi-laborartige Bedingungen. So können einzelne Eigenschaften urbaner Grünflächen gezielt variiert und ihre Effekte systematisch untersucht werden. Die virtuelle Stadt bildet durchschnittliche Merkmale europäischer Städte ab und berücksichtigt zugleich Unterschiede zwischen den biogeografischen Regionen. Dadurch wird die Vergleichbarkeit erhöht und die Analyse hypothetischer Szenarien ermöglicht.

Drei zentrale Ergebnisse

  • Mehr Bäume für unsere Städte! Baumkronen sorgen für Schatten und fördern eine hohe Evapotranspiration – damit sind sie der effektivste Faktor für Kühlung. Flächen mit spärlicher Vegetation trocknen schneller aus, insbesondere während langer und intensiver Hitzewellen. Eine erhöhte Baumkronenbedeckung ist daher eine entscheidende Maßnahme zur Hitzeminderung.

  • Mehr urbane Grünflächen insgesamt! Ein größerer Anteil an Grünflächen hilft Städten, sich besser an Hitzewellen anzupassen – besonders in Ost- und Südeuropa, wo solche Flächen bislang begrenzt sind. In diesen Regionen würde eine Erhöhung des Grünflächenanteils auf über 17 % deutliche Kühlungseffekte bringen.

  • Bessere Verteilung und Zugänglichkeit! Die Hitzeminderung variiert stark innerhalb von Städten. In vielen mediterranen und kontinentalen Städten lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiter als 250 Meter von der nächsten Grünfläche entfernt – und hat damit nur eingeschränkten Zugang zu deren kühlender Wirkung. Eine bessere Verteilung kann sicherstellen, dass alle Bewohner:innen von diesen Effekten profitieren.

Während der Klimawandel unsere Städte weiter aufheizt, wird es immer wichtiger zu verstehen, wie wir ihnen effektiv entgegenwirken können. Konkrete, quantitative Erkenntnisse darüber, wie sich urbane Grünflächen optimieren lassen, helfen Stadtplaner:innen, fundierte und datenbasierte Entscheidungen zu treffen – für grünere und im wahrsten Sinne kühlere Städte für alle.