MEDICUS

Das Forschungsprojekt MEDICUS untersucht, wie Klimawandel, Hitze und Luftbelastung die Gesundheit in Städten beeinflussen. Durch Stadtklimamodellierung, Reallabore in München und Augsburg sowie digitale Tools werden praxisnahe Strategien für eine gesunde und klimaresiliente Stadtentwicklung entwickelt.

Titel
Anpassungsstrategien an MEDIzinisChe Implikationen des Klimawandels für eine Urbane TranSformation (MEDICUS)
Laufzeit
März 2026 – Februar 2031
Ansprechpartner
Prof. Dr. Ralf Ludwig, Dr. Katrin Geneuss, Marianne Pfaffinger
Förderung
Zweiter Förderabschnitt des Bayerischen Klimaforschungsnetzwerks (BayKlif2)

Der Klimawandel stellt eine zunehmende Bedrohung für die urbane Bevölkerung dar, insbesondere durch extreme Hitzeereignisse und Luftbelastung. Diese Effekte gefährden vor allem vulnerable Gruppen wie Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke. Ziel des interdisziplinären Forschungsprojekts MEDICUS ist es, diese Herausforderungen systematisch zu untersuchen und darauf aufbauend praxisnahe, wissenschaftlich fundierte Lösungen für gesündere und resilientere Städte zu entwickeln.

Im Zentrum des Projekts steht die klimatische und umweltbezogene Modellierung urbaner Belastungen sowie die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für individuelle, urbane und planetare Gesundheit aus umweltmedizinischer und städtebaulicher Perspektive. Dazu werden hochaufgelöste Stadtklimamodellierungen mit großskaligen Klimasimulationen verknüpft, um präzise Aussagen zu zukünftigen Belastungsmustern zu ermöglichen und sowohl langfristige Trends als auch kurzfristige Belastungsspitzen – etwa durch Hitze und Luftschadstoffe – zu erfassen.

Wesentliches Merkmal von MEDICUS ist der interdisziplinäre Ansatz: Führende Expertisen aus Klima- und Umweltmodellierung, Umweltmedizin sowie Stadtplanung werden gebündelt und institutionenübergreifend zusammengeführt. Beteiligt sind unter anderem die LMU München, die Universität Augsburg, das Universitätsklinikum Augsburg sowie die Technische Universität München.

Ein besonderer Fokus liegt auf der praktischen Umsetzung der Forschungsergebnisse. In sogenannten Reallaboren auf Nachbarschaftsebene in München und Augsburg werden gemeinsam mit Kommunen, lokalen Akteurinnen und Akteuren sowie der Bevölkerung partizipativ Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickelt, erprobt und evaluiert. Ziel ist es, klimabedingte Gesundheitsrisiken konkret zu reduzieren, das Problembewusstsein zu stärken und die Resilienz auf Gemeinschaftsebene nachhaltig zu erhöhen.

Die im Projekt gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden dabei nicht nur analysiert, sondern gezielt in lokal angepasste Handlungskonzepte und Transformationspfade übersetzt. Diese unterstützen sowohl politische Entscheidungsprozesse als auch die praktische Stadtplanung und tragen zu evidenzbasierter Politikgestaltung bei.

Darüber hinaus setzt MEDICUS auf innovative Formen des Wissenstransfers und der Beteiligung. Neben digitalen Tools wie einer Resilience-App und einem Serious Game kommen gezielt Bildungs- und Weiterbildungsformate zum Einsatz, die im Sinne einer „Bildung für urbane Transformation“ sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Entscheidungsträger adressieren. Auf diese Weise werden Anpassungsstrategien nicht nur entwickelt, sondern auch breit in Gesellschaft und Verwaltung verankert.

Insgesamt leistet MEDICUS durch die Kombination von Umweltmodellierung, medizinischer Forschung, urbaner Planung, partizipativen Ansätzen und innovativen Kommunikationsformaten einen wichtigen Beitrag zur klimaresilienten Stadtentwicklung und zum Schutz der Gesundheit in einer sich wandelnden Umwelt.

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