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Podiumsdiskussion zum EU-Mercosur-Abkommen

21.04.2026

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten die Chancen und Risiken des Abkommens.

Nach 25 Jahren Verhandlungen soll das EU-Mercosur-Abkommen am 1. Mai vorläufig in Kraft treten. Nur zwei Wochen vor diesem Meilenstein prägten sowohl Optimismus als auch Vorsicht die vom LMU Lateinamerika Netzwerk veranstaltete Podiumsdiskussion im Amerikahaus München.

Die Diskussion brachte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen:

Prof. Dr. Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft & Professorin für Volkswirtschaftslehre, LMU München

Prof. Dr. Johannes Glückler, Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographien der Zukunft und Leiter der Abteilung Wirtschaftsgeographie, LMU München

Mari-Lizette Malherbe, Munich Re, Mitglied des Vorstands Verantwortungsbereich Life & Health

Dr. Bettina Rudloff, Stiftung Wissenschaft und Politik

Isabella Timm-Guri, Bayerischer Bauernverband, Direktorin Fachbereich Erzeugung und Vermarktung

Moderiert von Prof. Dr. Benjamin Loy, Professor für Romanische Philologie/Lateinamerika Netzwerk, LMU München

Im Mittelpunkt der Diskussion stand das Zusammenspiel verschiedener Perspektiven und Standpunkte:

  • Die Wirtschaft betonte die strategische Bedeutung des Abkommens für Marktzugang, Planungssicherheit und Risikomanagement. Besonders in einer Zeit globaler Unsicherheiten könnte das Abkommen ein wichtiges Signal für offene Märkte setzen und zugleich den Zugang zu kritischen Vorleistungen sichern und Exportchancen stärken.

  • Die Landwirtschaft äußerte Bedenken hinsichtlich des Wettbewerbsdrucks und der Produktionsstandards und betonte, dass die europäische Landwirtschaft ohne klare Regelungen unter preislichem Wettbewerbsdruck leiden könnte.

  • Die Wissenschaft hob die langfristigen Vorteile des Handels und der wirtschaftlichen Integration hervor. Dabei könnten der Wissensaustausch, die technologische Kooperation und das gegenseitige Lernen beide Regionen stärken.

  • Die Zivilgesellschaft konzentrierte sich auf Nachhaltigkeit, Inklusion und weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen.

Ein zentrales Thema der Diskussion waren die geopolitischen Kosten der Untätigkeit. Im Kontext des zunehmenden Einflusses Chinas in Lateinamerika ist das Abkommen ein wichtiges Zeichen europäischer Handlungsfähigkeit.

Über die Vorteile hinaus wurden in der Debatte sowohl die Asymmetrien als auch die potenziellen Komplementaritäten eines Abkommens anerkannt, das auf nachhaltiges Wachstum und eine tiefere globale Integration Lateinamerikas abzielt.

Was diese Diskussion besonders prägte, war nicht der Konsens, sondern die Qualität des Dialogs. Er verdeutlichte, wie moderne Handelspolitik an der Schnittstelle von Wirtschaftsgeografie, Geopolitik, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Auswirkungen angesiedelt ist und warum sektorübergreifende Gespräche wichtiger denn je sind.

Die hohe Teilnehmerzahl der Veranstaltung unterstrich den Wert der Einbindung eines breiteren Publikums und zeigte ein deutliches, wachsendes Interesse an den Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika.