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Weltweite CO₂-Entnahme wächst zu langsam

02.06.2026

Der neue „State of Carbon Dioxide Removal“-Bericht zeigt: Der Ausbau der CO₂-Entnahme bleibt deutlich hinter dem zurück, was zum Erreichen der internationalen Klimaziele erforderlich wäre. Forschende der LMU waren an der Analyse beteiligt.

Die weltweite CO₂-Entnahme wächst zu langsam, um die internationalen Klimaziele zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt die dritte Ausgabe des internationalen Berichts „State of Carbon Dioxide Removal“, an dem auch Forschende des Lehrstuhls für Physische Geographie und Landnutzungssysteme der LMU beteiligt waren. Der Bericht analysiert den aktuellen Stand der weltweiten CO₂-Entnahme und zeigt, dass zwischen den bisherigen nationalen Zusagen und den Anforderungen zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius bis 2050 eine Lücke von mehr als 5 Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr besteht.

Emissionsminderungen bleiben zentral

Der Bericht betont zugleich, dass die Verringerung von Treibhausgasemissionen weiterhin die wichtigste Maßnahme im Klimaschutz bleibt. CO₂-Entnahme soll Emissionsminderungen nicht ersetzen, sondern dort ergänzen, wo Emissionen schwer vermeidbar sind.

Weltweit werden derzeit rund 2,2 Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr aus der Atmosphäre entfernt – fast ausschließlich durch landbasierte Maßnahmen wie Aufforstung und Wiederaufforstung. Technologische Verfahren, wie direkte CO₂-Abscheidung aus der Luft mit anschließender Speicherung (Direct Air Carbon Capture and Storage, DACCS), Pflanzenkohle oder Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung (BECCS), spielen bislang nur eine geringe Rolle.

Neuartige Verfahren wachsen langsamer als nötig

Clemens Schwingshackl, Wissenschaftler am Lehrstuhl für Physische Geographie und Landnutzungssysteme der LMU und Mitautor des Berichts, erklärt, dass die derzeitige CO₂-Entnahme weiterhin deutlich unter dem Maßstab bleibt, der für internationale Klimaziele erforderlich wäre.

„Die globale CO₂-Entnahme beläuft sich derzeit auf 2,2 Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr, wobei mehr als 99,9 Prozent aus Aufforstung und Wiederaufforstung stammen. Entnahmen durch neuartige CDR-Methoden, insbesondere Pflanzenkohle und Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung (BECCS), wachsen zwar, bleiben bislang jedoch hinter den Erwartungen zurück“, sagt Schwingshackl.

Der Bericht bezeichnet die Zeit bis 2030 als entscheidendes Zeitfenster. Neue Verfahren müssten deutlich schneller skaliert werden, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichbar zu halten.

„Um die CO₂-Entnahmeraten zu erreichen, die zur Einhaltung der 1,5-°C- und 2-°C-Ziele des Pariser Abkommens erforderlich sind, müssten neuartige CDR-Methoden in den kommenden Jahren schnell und umfassend ausgebaut werden“, so Schwingshackl.

Transparentes Monitoring von CO₂-Entnahme entscheidend

Shraddha Gupta, ebenfalls Wissenschaftlerin am Lehrstuhl und Mitautorin des Berichts, betont die Bedeutung eines transparenten Monitorings von CO₂-Entnahme und Klimazusagen.

„Um die heutigen CDR-Niveaus zu verstehen, reicht eine Abschätzung, wie viel CO₂ entfernt wird, nicht aus. Entscheidend ist auch eine transparente Nachverfolgung, ob waldbezogene Maßnahmen tatsächlich zu realer und dauerhafter CO₂-Entnahme vor Ort führen“, sagt Gupta.

„Nur so lässt sich sicherstellen, dass die CDR-Zusagen der Länder tatsächlich in messbaren Klimaergebnissen sichtbar werden.“

Internationale Analyse zur CO₂-Entnahme

Der „State of Carbon Dioxide Removal“-Bericht gilt als unabhängige globale Bestandsaufnahme zur CO₂-Entnahme. Beteiligt sind Forschende der University of Oxford, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), des German Institute for International and Security Affairs (SWP), der University of Wisconsin–Madison, der University of Maryland, der LMU München sowie weiterer internationaler Forschungseinrichtungen.